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Comics

Comics begleiten mich, seit ich denken kann. Wahrscheinlich sogar ein wenig länger, denn manche Figuren fühlen sich längst nicht mehr wie erfundene Helden an, sondern wie alte Bekannte, die einfach nie aus meinem Leben verschwunden sind. Allen voran: Spider-Man.

Spider-Man Comic
© by MARVEL und Panini

Peter Parker war für mich nie nur der Typ, der kopfüber an Hauswänden hängt und Ganoven in Netze wickelt. Er war der Held, bei dem das Leben zwischen zwei Kämpfen genauso wichtig war wie der nächste Superschurke. Einer, der Rechnungen bezahlen, Niederlagen wegstecken und am nächsten Morgen trotzdem wieder aufstehen musste.

Vielleicht mochte ich ihn gerade deshalb so sehr. Weil unter der Maske kein unverwundbarer Halbgott steckte, sondern ein Mensch, der sich durchs Leben hangelte – manchmal elegant, manchmal eher mit dem Gesicht voran.

Spider-Man begleitet mich seit meiner Kindheit. Inzwischen sogar ganz wörtlich: Ich habe ihn mir tätowieren lassen. 

Mehr als Marvel

Natürlich endet meine Comicwelt nicht an den Grenzen des Marvel-Universums. Ich liebe Asterix, nicht zuletzt deshalb, weil ich selbst dabei mithelfen darf, die Gallier ins Meefränggische zu schicken.

Auch franko-belgische Comics gehören für mich zu jener besonderen Sorte von Geschichten, die gleichzeitig leichtfüßig und klug sein können. Sie sehen manchmal harmlos aus, tragen aber ganze Welten zwischen ihren Panels.

Dann wären da noch Micky Maus und Dagobert Duck. Entenhausen ist schließlich kein Ort, den man irgendwann einfach verlässt. Dagoberts Geldspeicher, Donalds ewiges Pech, Daniel Düsentriebs Erfindungen – all das hat sich tief ins Gedächtnis gegraben.

Manche Menschen erinnern sich an Straßen aus ihrer Kindheit. Ich erinnere mich an die Panzerknacker.

Kleine Zeitmaschinen

Comics sind für mich keine hübsch bedruckten Hefte, die man nach einmaligem Lesen ins Regal stellt. Sie sind Zeitmaschinen.

Ein bestimmtes Cover, ein alter Zeichenstil oder der Geruch von Papier kann mich innerhalb weniger Sekunden Jahrzehnte zurückschleudern. Plötzlich sitze ich wieder irgendwo mit einem Heft auf den Knien und bin für eine Weile vollkommen verschwunden. Keine Termine, keine Nachrichten, kein Alltag. Nur Bilder, Sprechblasen und die nächste Seite.

Mein Comichändler des Vertrauens kennt diese Leidenschaft längst. Dort habe ich sogar ein eigenes Fach. Die Hefte, die für mich zurückgelegt werden, warten darin geduldig, bis ich wieder auftauche.

Meistens geschieht das am Samstag. Eigentlich fast jeden Samstag, sofern mir das Leben keinen besonders schlechten Plot-Twist dazwischenschreibt.

Dieser Besuch gehört für mich zum Wochenende wie für andere der Gang zum Bäcker. Nur komme ich nicht mit Brötchen nach Hause, sondern mit Superhelden, Galliern, Enten und gelegentlich Figuren, von denen ich fünf Minuten vorher noch gar nicht wusste, dass ich sie unbedingt brauche.

Papier statt Bildschirm

Natürlich könnte man vieles heute digital lesen. Praktisch, platzsparend, jederzeit verfügbar. Alles richtig.

Aber ein Comic gehört für mich in die Hand. Ich will blättern, das Papier spüren, ein besonders starkes Bild einen Moment länger ansehen und das Heft danach irgendwo ablegen, wo es garantiert später im Weg liegt. Das gehört dazu.

Vielleicht liebe ich Comics auch deshalb, weil sie eine Kunst des Weglassens sind. Zwischen zwei Bildern kann eine Sekunde vergehen – oder ein ganzes Jahr. Der Leser füllt die Lücke.

Ein gezeichneter Blick kann mehr erzählen als eine Seite Text, eine einzige Sprechblase eine Figur unsterblich machen.

Eine Liebe fürs Leben

Comics haben mein Leben nicht nur versüßt. Sie haben meine Fantasie gefüttert, meinen Humor geprägt und mir gezeigt, dass große Geschichten nicht viele Worte brauchen.

Manchmal reichen ein paar Striche, eine gute Pointe und ein Held, der trotz aller Niederlagen wieder aufsteht.